Die Restaurierung der Taufkapelle

Die Taufkapelle der Stiftskirche war vermutlich ursprünglich der Kapitel- oder Konventssaal des Klosters der Augustinerchorherren.

Zusammen mit dem darüberliegenden Raum im Obergeschoss ist sie der einzige erhaltene Teil einer älteren, ersten Kirche, die dem um 1340 geweihten Neubau der heutigen Kirche weichen musste.

Der Raum ist geprägt von vier niedrigen Kreuzgewölben über einer runden Mittelstütze. Zwei Fenster in der Ostwand – eines zweiteilig, eines dreiteilig – spenden Tageslicht. Sie besitzen noch das ursprüngliche, einfache Maßwerk aus Steinplatten.

Bei der Restaurierung der Taufkapelle im Jahr 1897 wurden vier Wandmalereien an den Seitenwänden freigelegt.

Im ersten Bogenfeld, vom Eingang aus betrachtet, ist die mystische Vermählung der heiligen Katharina mit dem Jesuskind dargestellt. Katharina war der Legende nach eine zypriotische Königstochter und Lehrerin an der Universität von Alexandria. Zu ihrer Rechten kniet der Stifter der Wandmalereien, vermutlich der Prior der Augustinerchorherren Herbord oder ein anderes Mitglied dieser Adelsfamilie. Im zweiten Bogenfeld folgt die Darstellung der Auferstehung Christi, im dritten – an der Nordwand links – die heilige Dreifaltigkeit und im östlichen Bogenfeld Christus als Schmerzensmann.

Die Wandmalereien wurden 1962, möglicherweise erneut 1976 sowie 1981/82 restauriert. Die heutige Betrachtung zeigt jedoch, dass diese Maßnahmen nicht fachgerecht ausgeführt wurden.

Ende des Jahres 2017 erhielt Frau Diplom-Restauratorin Uta Riecke den Auftrag, ein Konservierungs- und Restaurierungskonzept für die Wandmalereien zu entwickeln und eine Notsicherung der vom Absturz bedrohten Putzbereiche vorzunehmen. Die Kosten dieser Maßnahme wurden zur Hälfte vom Kirchbauverein finanziert. Während der Arbeiten zeigte sich, dass etwa 40 Prozent der originalen mittelalterlichen Malschicht erhalten geblieben sind.

Die Sanierung des Raumes erfolgte auf Grundlage eines Gesamtkonzepts, das im Januar 2021 umgesetzt und Ende Oktober 2023 erfolgreich abgeschlossen wurde. Dabei wurden die Maßwerkfenster instand gesetzt und eine neue Beleuchtung installiert. Besonders aufwändig waren die Arbeiten an den Wandmalereien, die von Frau Diplom-Restauratorin Riecke durchgeführt und in mehreren Phasen dokumentiert wurden.

Die Fotos 1 bis 3 zeigen die Entfernung des vergrauten Kunstharzüberzugs. Auf Foto 4 sind Schäden am Putz sowie abblätternde Malschichten vor und nach der Konservierung zu erkennen. Darüber hinaus veranschaulichen die Fotos 5 und 6 restauratorische Maßnahmen am Gewölbe, Foto 7 Arbeiten an der Ostwand und Foto 8 die Retusche von Fehlstellen in der Malschicht.

Die Maßnahme, für die insgesamt rund 150.000 Euro aufgewendet wurden, wurde ausschließlich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Fundraising finanziert. Allen, die dazu beigetragen haben, den ältesten historischen Raum Landaus für zukünftige Generationen zu erhalten, gilt der Dank der Vorstandschaft.

Stefan Rinck
Vorsitzender